Freitag, 21. April 2017

2016: Stromverbrauch stabil

Im Jahr 2016 lag der Stromverbrauch in der Schweiz mit 58,24 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) praktisch auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr (- 0,01%). Die Landeserzeugung (nach Abzug des Verbrauchs der Speicherpumpen) betrug 58,7 Mrd. kWh. Der Stromimportüberschuss lag bei 3,9 Mrd. kWh. 2016 verzeichnet die Schweiz erstmals über das ganze Kalenderjahr einen negativen Aussenhandelssaldo von 145 Millionen Schweizer Franken.

 

Der Landesverbrauch lag 2016 bei 62,6 Mrd. kWh. Nach Abzug der Übertragungs- und Verteilverluste von 4,4 Mrd. kWh ergibt sich ein Stromverbrauch von 58,239 Mrd. kWh. Das sind 0,01% oder 7 Millionen kWh (entspricht etwa dem Jahresverbrauch von 1`400 Haushalten) weniger als 2015 (58,246 Mrd. kWh). Die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr betrugen -1,2% im ersten, +1,0% im zweiten, -2,8% im dritten und +2,8% im vierten Quartal 2016.
Obwohl wichtige Einflussgrössen (siehe unten) verbrauchssteigernd wirkten, blieb der Stromverbrauch in der Schweiz stabil, da diese durch Effizienzsteigerungen kompensiert werden konnten:
  • Wirtschaftsentwicklung: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) nahm 2016 gemäss den ersten provisorischen Ergebnissen um 1,3% zu (Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft, SECO).
  • Bevölkerungsentwicklung: Die Bevölkerung der Schweiz nahm 2016 gemäss den provisorischen Ergebnissen des Bundesamtes für Statistik (BFS) vom 6. April 2017 um 1,1% zu.
  • Witterung: 2016 nahmen die Heizgradtage gegenüber dem Vorjahr um 6,7% zu (siehe Tabelle im Anhang). Da in der Schweiz gegen 10% des Stromverbrauchs für das Heizen verwendet werden, wirkt diese Entwicklung leicht verbrauchssteigernd.
Die Elektrizitätsproduktion (Landeserzeugung) sank 2016 um 6,6% auf 61,6 Mrd. kWh (2015: 66,0 Mrd. kWh). Nach Abzug des Verbrauchs der Speicherpumpen von 2,9 Mrd. kWh ergibt sich eine Nettoerzeugung von 58,7 Mrd. kWh. Im dritten Quartal lag die Landeserzeugung über dem Vorjahreswert (+0,7%), im ersten (-10,6%), zweiten (-1,3%) und vierten Quartal (-16,4%) jedoch unter den entsprechenden Vorjahreswerten.

Die Wasserkraftanlagen (Laufkraftwerke und Speicherkraftwerke) produzierten 8,0% weniger Elektrizität als im Vorjahr (Laufkraftwerke - 0,1%, Speicherkraftwerke - 13,7%). Im Sommer 2016 sank die Produktion der Wasserkraftwerke im Vergleich zum Vorjahr um 2,4% (Laufkraftwerke + 1,4%, Speicherkraftwerke - 6,2%), in den beiden Winterquartalen um 15,4% (Laufkraftwerke - 3,2% resp. Speicherkraftwerke - 21,2%).

Die Stromproduktion der schweizerischen Kernkraftwerke sank um 8,4% auf 20,2 Mrd. kWh (2015: 22,1 Mrd. kWh). Dies ist trotz des Produktionsrekords des Kernkraftwerks Gösgen vor allem auf ausserordentliche Stillstände des Kernkraftwerks Beznau I (ganzjährig) sowie des Kernkraftwerks Leibstadt (September bis Dezember) zurückzuführen. 2016 lag die Verfügbarkeit des schweizerischen Kernkraftwerkparks bei 69,4% (2015: 76,0%). An der gesamten Elektrizitätsproduktion waren die Wasserkraftwerke zu 59,0%, die Kernkraftwerke zu 32,8% sowie die konventionell-thermischen und erneuerbaren Anlagen zu 8,2% beteiligt.

Bei Importen von 38,0 Mrd. kWh und Exporten von 34,1 Mrd. kWh ergab sich 2016 ein Importüberschuss von 3,9 Mrd. kWh (2015: Exportüberschuss von 1,0 Mrd. kWh). Im ersten und im vierten Quartal (Winterquartale) importierte die Schweiz per Saldo 8,2 Mrd. kWh (2015: 3,3 Mrd. kWh), im zweiten und dritten Quartal exportierte sie per Saldo wie im Vorjahr 4,3 Mrd. kWh. Der Erlös aus den Stromexporten betrug 1'387 Mio. Franken (4,09 Rp./kWh). Für die Importe fielen Ausgaben von 1'532 Mio. Franken an (4,04 Rp./kWh). Somit ergab sich im 2016 erstmals für die Schweiz ein negativer Aussenhandelssaldo von 145 Mio. Franken (2015: positiver Aussenhandelssaldo von 234 Mio. Franken).

Quelle:  http://www.bfe.admin.ch

 ^^^ Nach oben

Mittwoch, 19. April 2017

Jetzt kommen MW-Speicher

Das passt gut zur aktuellen Diskussion über die Energiestrategie 2050: Wird doch immer wieder die fehlende Speichermöglichkeit für Solar- und Windstrom als Argument gegen die Strategie (und für das Abstimmungsreferendum) angeführt. Abgesehen davon, dass die Schweiz mit den bestehenden Speicherseen bereits vergleichsweise gute Voraussetzungen bietet, schreitet die technische Entwicklung rasant voran - bis hierzulande die Notwendigkeit der Speicherung von Solar- und Windstrom akut ist, werden ausreichende Technologien vorhanden sein. Dazu passend die Meldung der Solarplattform pv-magazine.de über einen neuen Megawatt-(MW)-Speicher.


Das System besteht aus vier Container-Speicherlösungen des Berliner Unternehmens Younicos und sorgt unter anderem für eine effiziente Integration von Solarstrom ins örtliche Netz. Ein Microgrid für gewerbliche und industrielle Anwendungen soll für mehr Netzstabilität und Versorgungssicherheit sorgen. Younicos hat den Lithium-Ionen-Speicher für Panasonic in Betrieb genommen. 

Das System bestehe aus vier Container-Lösungen „Y.Cubes“ eine Leistung von einem Megawatt und eine Kapazität von zwei Megawattstunden, teilte der Berliner Speicherpionier am Dienstag mit. Für mehr Netzstabilität und Versorgungssicherheit habe Younicos dabei gemeinsam mit dem japanischen Elektronikkonzern und dem in Colorado heimischen Energieversorger Xcel Energy ein Microgrid für gewerbliche und industrielle Anwendungen realisiert. Die Speicherlösung optimiere die Nutzung des Solarstroms aus einer 1,6-Megawatt-Dachanlage sowie einer 259-Kilowatt-Anlage in unmittelbarer Nähe der Pena Station Next in Denver. Neben einer effizienten Integration des Solarstrom ins Netz von Xcel Energy leiste der Speicher noch weitere Dienstleistungen, unter anderem Frequenzregulierung, Glättung von Einspeisespitzen, Energiearbitrage und Back-up-Power.

Die Umsetzung des Projekts werde den praktischen Nutzen des neuen Plug-and-Play-Speichersystems von Younicos demonstrieren, sagt Stephan Prince, Vorstandschef des Berliner Unternehmens. Die Projektpartner seien von den Vorteilen des Photovoltaik+Speichersystems für verschiedene Anwendungsbereiche überzeugt. „Das PV-plus-Storage-System steht im Zentrum einer neuen intelligenten und vor allem nachhaltigen Entwicklung, sowohl auf dem 400 Hektar großen Panasonic-Gelände selbst als auch für ganz Denver“, so Jamie Evans, Geschäftsführer der Energy Solutions Group bei Panasonic Enterprise Solutions Company. Ende Oktober 2016 hatten Younicos und Panasonic die Umsetzung des Projekts am US-Firmensitz des japanischen Konzerns angekündigt.

Quelle: pv-magazine.de

 ^^^ Nach oben

Dienstag, 18. April 2017

2017 rund 85 Gigawatt-Zubau

Die Analysten gehen nun auch in diesem Jahr von einer weiter wachsenden Photovoltaik-Nachfrage aus. Der Zubau neuer Photovoltaik-Anlagen könnte sich gegenüber 2014 verdoppeln. Der Weltmarkt wird dabei erneut von China getrieben, wie die Solarplattform pv-magazine.de schreibt.

Vergrössern mit Klick auf Grafik !

GTM Research erwartet für dieses Jahr eine Photovoltaik-Nachfrage von 85,4 Gigawatt weltweit, wie aus dem jüngsten „Global Solar Demand Monitor“ hervorgeht. Dies wäre mehr als eine Verdoppelung des Photovoltaik-Weltmarktes von 2014. Nach den zunächst pessimistischeren Annahmen, dass die weltweite Nachfrage in diesem Jahr schrumpfen könnte, sei das Wachstum nun hauptsächlich auf den höheren Zubau in China zurückzuführen. Dort würden in diesem Jahr nach 34 Gigawatt im Vorjahr wohl etwa 30 Gigawatt zugebaut.

Im vergangenen Jahr lag der Photovoltaik-Weltmarkt bei etwa 78 Gigawatt. GTM Research war zunächst von einem Rückgang in diesem Jahr um sieben Prozent ausgegangen und hat dies nun in ein weiteres Wachstum um 9,4 Prozent korrigiert. Bis 2022 gehen die Analysten von weiteren jährlichen Wachstumsraten von 5,3 Prozent aus. Damit würde der Weltmarkt dann eine Photovoltaik-Nachfrage von 110 Gigawatt übersteigen.


„China ist ein historisch gesehen schwierig zu verfolgender Markt wegen der ‚unberechenbaren Launen‘ der Nationalen Energiebehörde NEA“, sagt GTM-Research-Analyst Benjamin Attia. Wegen der Kürzung der Solarförderung zur Jahresmitte 2016 habe es im vergangenen Jahr vor allem zu Beginn eine riesige Nachfrage und bis dahin einen Zubau von 22 Gigawatt Photovoltaik-Leistung gegeben. Auch in diesem Jahr sei eine neue Kürzungsrunde der Einspeisetarife erwartet worden, doch NEA habe nun höhere Vergütungssätze ausgegeben.

Was in China passiere, treffe die komplette Solarindustrie weltweit, auch weil die chinesischen Photovoltaik-Hersteller einen erheblichen Anteil repräsentierten. Dies bedeute, dass die politischen Unsicherheiten, die durch NEA hervorgerufen würden, ein potenziell destabilisierender Faktor für das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage weltweit seien.  „Die Konzentration und Unberechenbarkeit der Nachfrage auf Quartalsniveau, die durch die Unsicherheit in China getrieben wird, stellt für den Markt ein Risiko für instabile Modulpreise dar und könnte Leerlauf für Anbieter wegen überfüllter Lager bedeuten, die die künftige Bankability der Wertschöpfungskette gefährdeten“, heißt es in dem Bericht von GTM Research weiter.

Wie schon im Vorjahr erwarten die Analysten, dass auch in diesem Jahr der Photovoltaik-Weltmarkt neben China, von den USA, Japan und Indien dominiert wird. Die vier Länder würden voraussichtlich 73 Prozent der weltweiten Nachfrage auf sich vereinen. Indien werde dabei Japan als drittgrößten Photovoltaik-Markt ablösen. Für Deutschland und Großbritannien geht GTM Research dagegen von Nachfragerückgängen aus, während Mexiko, Frankreich, Australien und einige arabische Länder ihren Marktanteil erhöhen könnten. „Es ist nun möglich, dass in vielen Ländern Photovoltaik wettbewerbsfähig wird, ohne dass sie überhaupt einen heimischen Solarmarkt haben“, so Attia weiter. Es sei aber unklar, ob es nachhaltig sei, wenn es keine heimische Solarindustrie oder regelmäßige Photovoltaik-Ausschreibungen gebe.

Zum aktualisierten Ausblick heißt es, dass von 2017 auf 2018 der Photovoltaik-Weltmarkt um weniger als ein Prozent wachsen werde. Für 2019 gingen die Analysten dann aber wieder von einem deutlichen Anziehen aus, da zuvor ausgeschriebene Photovoltaik-Projekte vermehrt realisiert würden und bei Märkte erwartet würden.  Die weitere globale Marktentwicklung hingen auch von den sinkenden Kosten ab. Für dieses Jahr erwartet GTM Research, dass der erste Solarstrom-Abnahmevertrag für 2,0 US-Dollarcent pro Kilowattstunde oder sogar noch darunter unterzeichnet werde; wahrscheinlich in Saudi-Arabien. „Aber diese superniedrigen Preise werden noch nicht die Regel sein. Wir sehen nicht, dass die ultrageringen Gebote ein langfristiger nachhaltiger Trend sind“, so Attia weiter. Sie seien nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen wie günstige Finanzierung, Projektgröße, langfristige Realisierungszeiträume oder kostenloses Land möglich. Es müsse sich erst noch zeigen, ob sich Projekte zu diesen gebotenen Kosten lohnten. Für 2018 gehe GTM daher von der Stabilisierung der Gebotspreise für Photovoltaik-Anlagen aus.

Quelle: pv-magazine.de

 ^^^ Nach oben

Freitag, 14. April 2017

Ist die Energiewende unsozial? WoZ treibt es mit der SVP

«Sozial ist diese Wende nicht» verunsichert WoZ-Redaktionsleiterin Susan Boos in der neuesten Ausgabe der Wochenzeitung die Leserschaft in ihrer Haltung zur Energieabstimmung. Mit vielen Zahlen wird da versucht die These zu untermauern, doch das endet als Schlag ins Wasser – und als unfreiwilliger Sukkurs für die einzige namhafte Gegnerin der Energiestrategie, die SVP.

Landeten am gleichen Tag in den Schweizer
Briefkästen: SVP-Abstimmungspropaganda
und neueste WoZ mit Wendekritik
(Bild: Guntram Rehsche)
Verwundert rieb sich am Gründonnerstag wohl so manche(r) die Augen, als er oder sie einerseits die neueste WoZ und andererseits gleichzeitig die Propagandazeitung  der Schweizerischen Volkspartei zur Energieabstimmung vom 21. Mai aus dem Briefkasten fischte. Worauf letztere zielt, ist aufgrund der nun schon lange rollenden PR-Maschinerie der SVP schnell einmal klar. «3200.- Franken mehr bezahlen... und erst noch kalt duschen?» titelt das Machwerk, das wie üblich bei dieser Partei in der Schublade Fake News abzulegen ist. Weitere Schlagzeilen wie «Zurück in die Steinzeit», «Attacke auf den Mittelstand», «Deutsche Energiewende ist ein Desaster» erübrigen die vertiefte Lektüre – da haben Ewig-Gestrige, Verblendete, Technologie-Aphobe gemeinsam ihr Süppchen gekocht. Unbefleckt von der Einsicht, dass erstens in der Schweiz auch ein grosser Teil der Wirtschaft die Vorlage zur Energiestrategie 2050 befürwortet – und dass zweitens (ein Blick über die Grenze schadet bekanntlich nicht immer) weltweit die Erneuerbaren Energien ihren Siegeszug längst angetreten haben und die Schweiz droht, ins Abseits zu geraten.
So weit so gut – doch nach der kurzen Lektüre des Abstimmungspamphlets kommt dann bei der Sichtung der Wochenzeitung der eigentliche Schlag in die Magengrube. Redaktionsleiterin Susan Boos stellt da folgende Rechnung an (WoZ vom 13.April 2017 «Sozial ist diese Wende nicht»): Erstens erhöhe sich mit Annahme der Energiestrategie der CO2-Zuschlag auf Heizöl um 150 Millionen Franken – und zweitens nehme die Stromabgabe mit dem um 0,8 Rappen pro Kilowattstunde erhöhten Aufschlag um 450 Millionen zu. Und diese erhöhten Beiträge würden auf dem Buckel der MieterInnen und allgemein der ärmeren Bevölkerungsschicht erhoben – mithin sei die Energiewende unsozial. Doch hält diese Feststellung einer genaueren Untersuchung stand? Das Fazit vorweg: Nein, die Energiewende nach Schweizer Art ist keinesfalls unsozial. Richtig schreibt Boos zwar, der erhöhte Stromzuschlag komme der Wirkung der Mehrwertsteuer gleich. Doch genausowenig, wie Mehrwertsteuerprozente für die AHV unsozial sind, ist es eben ein Stromzuschlag, der langfristig zu einer Energiewelt ohne fossile Brennstoffe und verbesserter Umwelt führt – und der gerade auch ärmeren Bevölkerungsschichten zugute kommt. Das lässt sich nur schwer in Zahlen quantifizieren – aber es war doch schon immer so, dass ärmere Menschen schlechteren Umweltbedingungen weniger ausweichen können als reichere – die sich etwa Wohnorte mit geringeren Schadstoffemissionen leisten können.

Vollends daneben ist die Feststellung einer unsozialen Wirkung mit Bezug auf die Subventionen für bessere Energiemassnahmen beim Gebäudebestand. Denn erstens sind MieterInnen in der Schweiz bei einem Mieteranteil von insgesamt rund 60 Prozent in vielen Fällen GenossenschaftsmieterInnen (vor allem die einkommensschwächeren – fünf bis zehn Prozent aller Wohnungen), zweitens gibt es schweizweit durchaus geringverdienende HausbesitzerInnen und wie schon oben gilt wieder das Argument, dass von Umweltverbesserungen die sozial schwächeren durchaus profitieren.

Der WoZ-Artikel erweckt den Eindruck, da werden mit der Energiestrategie 2050 jährlich 600 Millionen Franken nach oben umverteilt. Bei genauerer Betrachtung dürfte dieser Betrag viel geringer sein –die unsoziale Wirkung kaum bestehen. Gilt schliesslich noch, dass neben der Schützenhilfe für die SVP eine wirksame Sozialpolitik doch bitte bei den bedeutenden sozialen Instrumenten eingefordert wird, also in erster Linie in der Sozial- und Krankenversicherung. Eine, was auch der WoZ-Artikel zugesteht, sinnvolle Umweltpolitik (wegen kaum vorhandener sozialer Misswirkungen) aber abzulehnen, ist in der aktuellen politischen Situation nichts als fehlgeleitete Propaganda respektive unerfreuliche Schützenhilfe für die SVP – da mag das zeitgleiche Erscheinen unerwünschter Zufall sein.

© Text und Bilder:  Solarmedia

 ^^^ Nach oben

Mittwoch, 12. April 2017

Bald wieder: Tage der Sonne - im Zeichen der Abstimmung

Vom 5. bis 14. Mai finden schweizweit die „Tage der Sonne“ statt: Firmen, Hausbesitzerinnen, Gemeinden, Architekten und Energiestädte veranschaulichen anhand von Sonnenenergie-Projekten, wie die Energiewende in der Schweiz gelingen kann. 

Schon in früheren Jahren stiessen die
Tage der Sonne jeweils auf grosses Interesse, vor allem
dank ihrer Ausrichtung auf die praktische Anwendung
Alle Veranstaltungen werden von Gemeinden und Energiestädten, Solarfirmen, ArchitektInnen, Energieversorgern, Schulen und Privaten organisiert. Jede Veranstaltung wird individuell gestaltet. Vom Tag der offenen Tür, über Projektwochen, Informationsständen in Städtezentren bis hin zu Spielsolarmobil-Rennen ist alles zu sehen. Alle Anlässe finden sich im Veranstaltungskalender der Tage der Sonne 2017. 

Eckdaten:
Datum:                                            05.05.2017 – 14.05.2017
Ort:                                                  ganze Schweiz
Schweizweite Veranstaltungen zur Sonnenenergie
Auskunft / Veranstalter: Schweizerische Vereinigung für Sonnenenergie SSES
Aarbergergasse 21, 3011 Bern | Tel: +41 31 313 34 32
http://www.tagedersonne.ch/
news@tagedersonne.ch

Die Tage der Sonne finden im 2017 zum 14. Mal statt. Sie werden von der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie SSES koordiniert. Jede Veranstaltung wird von den jeweiligen Organisatoren individuell gestaltet. Die SSES steht den Veranstaltern jedoch mit Rat, Tat und Material zur Seite.

Spezialveranstaltung Nacht der Sonne 2017 oder Sonnenstrom auch in der Nacht: An der «Nacht der Sonne» vom 5. Mai wird gezeigt, wie Sonnenstrom nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht genutzt werden kann. 

Auf dem Helvetiaplatz in Bern können sich die Besucherinnen und Besucher informieren, mit einem Solarbier auf das Gelingen der Energiestrategie 2050 anstossen und sich mit Solarenergie-Expertinnen und -Experten austauschen. Ab 18.00 Uhr wird das Thema in verschiedenen Vorträgen im Hodler-Saal des Alpinen Museums vertieft. Der gesamte Anlass ist öffentlich und kostenfrei.
Datum:                     05.05.2017
Ort:                          Alpines Museum der Schweiz, Helvetiaplatz 4, 3005 Bern
Hinweis:                  Startanlass zu den schweizweit stattfindenden Tagen der Sonne 2017 in Bern
Veranstalter:            Schweizerische Vereinigung für Sonnenenergie SSES | Aarbergergasse 21 3011 
Tel:                         +41 31 313 34 32
E-Mail:                   news@tagedersonne.ch
Quelle:                   http://www.tagedersonne.ch/

 ^^^ Nach oben

Dienstag, 11. April 2017

Grosses Potential der Windenergie in der Schweiz

„Windenergie ist eine sichere, saubere und technisch ausgereifte Technologie“, erklärte Benoît Revaz, Direktor des Bundesamts für Energie (BFE), an der Windenergietagung vom 4.4.17. „Sie hat von allen Erneuerbaren das grösste Wachstumspotenzial“, führte er aus. Der vom BFE erstellte Windatlas zeige, dass die Potenziale sogar noch höher seien als bisher angenommen. 

„Wir haben im Windbereich schon viel erreicht“, erklärte Karl Vogler, Vizepräsident und Nationalrat, der die Windenergietagung führte, „doch wir müssen rasch mehr machen!“ Er stelle fest, dass insbesondere ältere Menschen der Windenergienutzung kritisch gegenüber stünden. „Die Jungen sehen die Entwicklung mehrheitlich positiv“, erklärte er den rund 170 Tagungsteilnehmerinnen und Teilnehmern.


„Produktion, Verbrauch und Speicherung von Energie verschieben sich klar von zentral zu dezentral“, erklärte Benoît Revaz, Direktor des BFE.
„Produktion, Verbrauch und Speicherung von Energie
verschieben sich klar von zentral zu dezentral“,
erklärte Benoît Revaz, Direktor des BFE
Bild vergrössern mit Klick auf dieses!
„Im Moment werden intensive Gespräche geführt, um den Guichet Unique aufzubauen“, erklärte Markus Geissmann, Bereichsleiter Windenergie beim BFE. „Ziel ist es, dass die Verfahren von Windenergieprojekten nach Möglichkeit schneller und einfacher ablaufen.“ Bezüglich des nationalen Interesses für Windenergieprojekte in geschützten Landschaften berichtete er, dass in der laufenden Vernehmlassung insbesondere die Grenze von 10 GWh beanstandet würde. „Die Umweltverbände möchten diese heraufsetzen.“. „Zudem gibt es im neuen Energiegesetz gleichzeitig zwei neue Verschärfungen: Biotope, Moore und Moorlandschaften sind für Windenergieanlagen tabu.“ Der Bau in geschützten Landschaften sei aber nur nach einer Interessenabwägung möglich!

Moore und Moorlandschaften sowie Biotope sind für Windenergieanlagen tabu. Bei Inventaren gemäss Artikel 6., zum Beispiel BLN-Gebieten, ist eine Interessensabwägung möglich. Grafik: BFE

Moore und Moorlandschaften sowie Biotope sind für Windenergieanlagen tabu. Bei Inventaren gemäss Artikel 6., zum Beispiel BLN-Gebieten, ist eine Interessensabwägung möglich. Grafik: BFE
Grafik vergrössern mit Klick auf diese!
„Ab 2022 können keine weiteren Anlagen mehr in die Einspeisevergütung aufgenommen werden und trotz höherem Kostendeckel bleiben die Fördermittel knapp“, berichtete Laura Antonini, die im BFE im Bereich Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) arbeitet. Hauptsächlich Springer-Anlagen, sprich baureife Anlagen mit 2. Projektfortschrittsmeldung, hätten noch eine Chance in die Förderung zu kommen. Indes müssten alle KEV-Anlagen ab dem 1.1.19 ihren Strom selber vermarkten (siehe Tabelle). „Der Strompreis, den Anlagebetreiber in der Direktvermarktung erzielen, setzt sich einerseits aus einem Referenz-Marktpreis zusammen, der einmal im Quartal von uns erhoben wird. Andererseits ist es der Preis, den die Anlagebetreiber vertraglich mit einem Stromabnehmer vereinbaren.“ Laura Antonini verwies darauf, dass der Preis in der Regel in der Höhe des heutigen KEV-Tarifs liege: „Es ist aber auch möglich, dass gewisse Anlagen einen höheren Preis erzielen werden!“


Bei der Direktvermarktung setzt sich der Preis aus einer Referenzprämie und einer Einspeiseprämie zusammen.

Bei der Direktvermarktung setzt sich der Preis aus einer Referenzprämie und einer Einspeiseprämie zusammen.
Skyguide: „Kontaktieren Sie uns so früh wie möglich!“„Das Kompetenzzentrum Windenergie von Skyguide zählt fünf Experten“, erklärte Matthias Fries, technischer Experte bei Skyguide. „Einerseits ist die Windenergienutzung für uns ein Thema, weil die Anlagen mit rund 230 Meter Höhe für die Flugsicherheit von Bedeutung sind. Andererseits können sie unsere Radars und Sicherheitssysteme beeinflussen.“ Zum Beispiel die Kommunikation mit den Piloten oder die Flugleitsysteme. „Viele Probleme sind jedoch lösbar“, erklärte der Skyguide-Experte: „Wichtig ist allerdings, dass Sie uns als Projektentwickler und Behörden so früh wie möglich kontaktieren!“ „Wir durchlaufen eine positive Entwicklung zu Gunsten der Windenergie“, erklärteCatherine Huguenin, Facilitiy Managerin bei Skyguide. Dieses Jahr werde das erste Seminar zum Thema Windenergie und Luftfahrt durchgeführt. „Zudem investieren wir 15 Millionen Franken in Radare, die besser mit Windenergieanlagen kompatibel sind.“ Es gebe auch einen regen Austausch zum Thema mit Deutschland, Österreich, Frankreich und Dänemark. Die Luftsicherheit müsste weltweite Standards erfüllen, Details könnten jedoch auch national geregelt werden.


Nutzen teilen„Die Voruntersuchungen zu einem möglichen Atomendlager haben den erneuerbaren Energien in der Ostschweiz Schub verliehen“, erklärte Andrea Paoli, Leiterin der kantonalen Energiefachstellen Thurgau und Schaffhausen. 76% der Ostschweizer sind für die Entwicklung von Windenergieanlagen in ihrer Gegend; dies habe eine Umfrage der Hochschule St. Gallen gezeigt. Schaffhausen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 über 10% Windenergiestrom zu verfügen. Vier Standorte wurden eruiert. „Zwei davon sind Waldstandorte“, führte Andrea Paoli aus. Im Kanton Schaffhausen wurden achte Gebiete ausgeschieden. „Sehr wichtig ist, dass wir den Nutzen, den die Windenergie bringt, auch teilen“, ist Paoli überzeugt. Darum sei im Kanton Schaffhausen vorgesehen, dass nicht nur die Landeigentümer entschädigt würden, sondern auch alle, die die Anlagen sehen würden.

Befürworter-Gruppe früh aufbauen!„Wir sind als Solargenossenschaft mit dem Windpark And/Ans insbesondere gescheiter, weil uns die Bevölkerung einerseits nicht geglaubt hatte, dass die von uns errechnete Rendite von rund sechs bis sieben Prozent möglich ist und weil wir andererseits nicht früh genug eine Befürworter-Gruppe für unser Projekt aufgebaut haben“, erklärte Bruno Dürr, der als Geschäftsführer der Solargenossenschaft Liechtenstein zu den Initiatoren des Windparks And/Ans gehörte. Die Realisierung des Windparks wurde bei einer Konsultativabstimmung mit 65% abgelehnt. Schade, der Standort verfügt mit 7 Metern pro Sekunde über idealste Bedingungen. Alte Querelen zwischen der Bürgergenossenschaft und der politischen Gemeinde beeinflussten die Abstimmung ebenfalls. Zudem gelang es den Projektgegnern, Emotionen mit der Brandgefahr zu schüren, da es vor Ort einmal einen vom Militär ausgelösten Waldbrand gab. „Sicher hat uns auch geschadet, dass wir zuerst Windmessungen durchgeführt und erst danach über unser Projekt informiert haben“, zählte Bruno Dürr die Punkte auf, die hätten besser laufen können.

68% stimmen für Eoljoux
„Der Windpark Eoljoux mit sieben Anlagen, der dereinst genügend Strom für das ganze Vallée de Joux produzieren soll, wurde nicht von einem Projektentwickler initiiert, sondern von den Gemeinden des Tals selber“, erklärte Laurent Reymondin, Gemeinderat von Le Chenit und Direktor von Eoljoux. Im Rahmen der Fertigstellung der Nutzungsplanung hat die Gemeinde ein freiwilliges Referendum durchgeführt: „Uns schien es wichtig, dass wir dieses selber initiieren und eine Abstimmung nicht aufgrund einer Unterschriftensammlung von Windgegnern zustande kam.“ 10 Jahre hat die Projektentwicklung bereits gedauert und Eoljoux hat jährlich an einem Informationsanlass darüber berichtet. Im Vorfeld der Abstimmung hat die Gemeinde die Befürworter mit Plakaten, Bannern und Aufklebern sowie die Presse mit sachlichen Informationen versorgt. „Zudem haben wir eine Veranstaltung durchgeführt, bei der Professor Christophe Ballif, eine Koryphäe im Bereich Photovoltaikforschung, der aus dem Tal stammt, referierte und der Film „Tomorrow“ gezeigt wurde.“ Obwohl die Windpark-Gegner einen sehr intensiven Abstimmungskampf mit dicken Broschüren an alle Haushalte und viel Präsenz in den lokalen Medien geführt hatten, entschied sich die Gemeinde Le Chenit am 25. September 2016 für den Windpark.


Der geplante Windpark Eoljoux, der das ganze Vallée de Joux inklusive der Industrie mit Strom versorgen könnte. Bild: Eoljoux

Der geplante Windpark Eoljoux, der das ganze Vallée de Joux inklusive der Industrie mit Strom versorgen könnte. Bild: Eoljoux
Die kreisenden Göttinnen des Windes
Der Autor Pinot Dietiker lockerte die technische Tagung mit einem literarischen Beitrag über die Eolinnen auf dem Sonnenberg auf. „Ich bin im Atomkanton Aargau aufgewachsen und habe bereits in meiner Schulzeit zweimal ein AKW besucht. Daher habe ich mich schon früh mit der Frage beschäftigt, ob es auch Technologien der Stromerzeugung gibt, bei der es keine Jodtabletten braucht!“ erklärte der Literat seine Motivation, über die „kreisenden Göttinnen des Windes“ zu schreiben, die „Riesinnen, die ihre Arme gelassen und entschlossen durch die Luft bewegen und leiser sind als die Kuhglocken auf dem Sonnenberg.“ 


Quelle: suisse éole

 ^^^ Nach oben