Sonntag, 25. September 2016

Versuchsplattform für Erneuerbare Energien

Diesen Herbst ist es so weit: Die Energy-System-Integration-Plattform am Paul Scherrer Institut PSI nimmt ihren Betrieb auf. Im Rahmen der Doppeltagung „Vernetzte Energieforschung Schweiz“ wurde sie diese Woche den Medien und rund 150 Vertretern aus Politik, Industrie und Wissenschaft vorgestellt.

Heute an der Energieversorgung von morgen arbeiten:
Die ESI-Plattform ebnet vielversprechenden Lösungsansätzen
den Weg in die industrielle Anwendung.
(Bild: Scanderbeg Sauer Photography)
Bis ins Jahr 2050 soll das Schweizer Energiesystem schrittweise umgebaut werden. Dabei sieht das als „Energiestrategie 2050“ erarbeitete Massnahmenpaket des Bundes einen starken Ausbau der neuen erneuerbaren Energien wie Solar- und Windenergie vor. Die Integration des dezentral und mit zeitlichen Schwankungen produzierten Stroms aus Photovoltaik und Windenergie stellt die Stromnetze jedoch vor eine grosse Herausforderung. Mit der Energy-System-Integration-Plattform (kurz: ESI-Plattform) nimmt im Herbst eine Versuchsplattform ihren Betrieb auf, auf der vielversprechende Ansätze zum Umwandeln und Speichern von dezentralen, erneuerbaren Energien zusammengeführt werden. Die ESI-Plattform wurde im Rahmen der Doppeltagung „Vernetzte Energieforschung Schweiz“ den Medien und rund 150 Vertretern aus Politik, Industrie und Wissenschaft vorgestellt. „Mit der ESI-Plattform haben wir am PSI eine Einrichtung geschaffen, mit der wir demonstrieren können, wie integrale Speicherkonzepte aussehen müssen, damit eine dezentrale Energieversorgung mit erneuerbaren Energien funktionieren kann“, sagt Alexander Wokaun, Bereichsleiter Energie und Umwelt am PSI, der die Tagung eröffnet. „Mit der ESI-Plattform ist ein Leuchtturm entstanden, der einen Schlüsselaspekt der Energiestrategie 2050 sichtbar und erlebbar macht.“

Grosse Bedeutung komme dabei einer engen Zusammenarbeit mit Partnern aus Forschung und Industrie zu. So wurde die ESI-Plattform in Koordination mit der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) realisiert und auch die ETH Zürich ist an den Kooperationsprojekten beteiligt. Zudem stelle die ESI-Plattform einen Ausgangspunkt für die Anbahnung neuer Zusammenarbeiten des PSI mit der Industrie im Rahmen von PARK INNOVAARE dar. Der Innovationspark entsteht zurzeit in unmittelbarer Nähe des PSI. Durch enge Kooperationen zwischen dem PSI und Unternehmen sollen dort Innovationen generiert und rasch zur Marktreife gebracht werden. 


Im Mittelpunkt der ESI-Plattform steht die sogenannte Power-to-Gas-Technologie. Dabei werden Stromüberschüsse, die die Netze überlasten würden, zur Herstellung von Wasserstoff genutzt. Dieser kann direkt eingesetzt oder für die Produktion von Methan weiterverwendet werden. Der Strom wird also zu energiereichen Gasen umgewandelt. Der Vorteil von Wasserstoff oder Methan ist, dass die Gase lange gelagert und weit transportiert werden können. Bei Bedarf werden sie wieder in Strom oder Wärme umgewandelt. Die Gase lassen sich aber auch als Rohstoff in der Industrie nutzen oder als Treibstoff in Fahrzeugen.

Einzelne Komponenten der Power-to-Gas-Technologie sind seit vielen Jahren Gegenstand der Forschung am PSI:
„Bei der ESI-Plattform geht es darum, all diese bisher isoliert erforschten Bausteine erstmals in ihrem komplexen Zusammenspiel im Pilotmassstab zu untersuchen“, erklärt Peter Jansohn, Leiter Energy System Integration am PSI. Mit der Integration von Methan und Wasserstoff auf einer gemeinsamen Plattform betritt die ESI-Plattform hierbei Neuland: „Damit haben wir die Möglichkeit, vielfältige Varianten des Power-to-Gas-Konzepts durchzuspielen – das unterscheidet die ESI-Plattform von anderen Ansätzen“, unterstreicht Jansohn.

Ziel sei es, ein Anlagensystem mit einer Leistung von 100 Kilowatt auf die Grenzen des technisch Machbaren auszuloten sowie die Kosten und die Möglichkeiten der Skalierung auf eine Anlage im Megawattbereich herauszufinden. So werden die vom PSI geleiteten Kompetenzzentren zu Strom- und Wärmespeicherung (SCCER Heat and Electricity Storage) und für Bioenergie (SCCER BIOSWEET) ihre neu entwickelten Technologien auf der ESI-Plattform testen. Sie sind zwei der im Rahmen des Aktionsplans „Koordinierte Energieforschung Schweiz“ vom Bund initiierten Kompetenzzentren für Energieforschung.

Mit dem Durchspielen verschiedener Varianten des Power-to-Gas-Konzepts kann ausgelotet werden, welche Varianten eine besonders effiziente Energienutzung erlauben. „Wasserstoff als Energieträger ist ein wesentlicher Baustein aller Power-to-Gas-Anlagen, da er flexibel eingesetzt werden kann“, betont Thomas J. Schmidt, Leiter des Kompetenzzentrums Strom- und Wärmespeicherung. Einerseits könne er in Brennstoffzellen-Fahrzeugen zur Dekarbonisierung des Mobilitätssektors beitragen. „Andererseits kann er, wie es auf der ESI-Plattform demonstriert werden wird, direkt in Wasserstoff-Sauerstoff-Brennstoffzellen effizient und unter Bildung von ausschliesslich Wasser wiederverstromt werden.“

Welche Möglichkeiten eine Weiterverarbeitung zu Methan eröffnet, erläutert Science-Case-Koordinator Tilman Schildhauer: „Bis zu einer geringen Menge kann Wasserstoff in das Erdgasnetz eingespeist werden – durch die weitere Umwandlung von Wasserstoff zu Methan kann diese Einspeisung jedoch in nahezu unbegrenzter Menge geschehen.“ Auf der ESI-Plattform wird diese sogenannte Methanisierung ebenso untersucht, wie die Quellen des dafür benötigten Kohlendioxids: Biogas-Anlagen, Holzvergaser oder Industrie-Abgase. „Insbesondere im Fall von Biogas-Anlagen ermöglicht die Methanisierung unter Wasserstoffzugabe, die Biomethan-Produktion um mehr als die Hälfte zu steigern“, so Schildhauer.


Text: Paul Scherrer Institut

Samstag, 24. September 2016

Stadtzürcher EW will mehr Solaraktivität

Im Bereich der Solarenergie besteht für das ewz die Möglichkeit, die bisherigen Aktivitäten mit innovativen Projekten zu erweitern. Zurzeit können diese aber nicht realisiert werden, weil dafür der Handlungsspielraum und die Ausgabenkompetenzen fehlen. Der Rahmenkredit «New Business Solar» über zehn Millionen Franken soll die Voraussetzungen schaffen, dass sich ewz in diesem Bereich erfolgreich betätigen kann.


Auf dem Weg in die 2000-Watt-Gesellschaft spielt das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) gemäss eigener Einschätzung eine wichtige Rolle – sei es mit seinen Kraftwerken, mit dem Angebot an Ökostrom, den Energiedienstleistungen oder seinen Pilotprojekten in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Namentlich im Bereich der Solarenergie sind die Möglichkeiten aber noch nicht ausgeschöpft. Allerdings entwickelt sich der Markt bei den Dienstleistungen für Solarenergie rasant, und das ewz verfügt nicht über den nötigen Handlungsspielraum und die Ausgabenkompetenzen, um sich auf diesem Markt rasch und effektiv bewegen zu können. Mit einem Rahmenkredit von 10 Mio. Franken will der Stadtrat in unmittelbarer Zukunft die dafür nötigen Voraussetzungen schaffen.
 
Der Rahmenkredit soll ewz erlauben, Dienstleistungen im Bereich Solarenergie auszubauen, so wie das andere Energieversorgungsunternehmen in der Schweiz bereits heute tun. Die aktuelle Produkteplatte von ewz entspricht zwar den derzeitigen Bedürfnissen von Kundinnen und Kunden, aber indem ewz bei seinen Angeboten Dienstleistungen von Dritten beziehen muss, ist es gegenüber den Konkurrenten zunehmend benachteiligt.

 
Der Rahmenkredit «New Business Solar» umfasst vier Bereiche: die Akquisition und Beteiligung an Solardienstleistungsunternehmen, die Realisierung von Pilotangeboten bzw. deren Einführung und Weiterentwicklung, das Angebot von Finanzierungs- und Contracting-Modellen sowie Investitionen in Startup-Unternehmen im Solarbereich. Die Energiebranche erlebt durch die fallenden Preise und die sich verändernden Kundenbedürfnisse derzeit einen starken Wandel, und ewz ist gefordert, neue Geschäftsfelder zu erschliessen und zusätzlichen Umsatz zu generieren. Das Geschäft mit Dienstleistungen für Solarenergie bietet ewz dafür eine ideale Möglichkeit.


Quelle: ewz 

Mittwoch, 21. September 2016

So gelingt Integration Erneuerbarer Energien

Neuer Bericht des Weltenergierates - Spektakulärer Zuwachs: Auf erneuerbare Energien entfallen inzwischen über 30 Prozent der gesamten weltweit installierten Stromerzeugungskapazität - Verbesserte Technologien führen zu Kostenreduktion bei erneuerbaren Energien wie Windenergie und Photovoltaik.

Neue Technologien, geänderte Betriebsabläufe sowie politische Rahmenbedingungen können den Anteil volatiler erneuerbarer Energien erhöhen
Auf erneuerbare Energieträger, einschließlich Wasserkraft, entfallen inzwischen über 30 Prozent der gesamten weltweit installierten Kapazität und 23 Prozent der Stromerzeugung. Laut Bericht des Weltenergierates verzeichneten Windkraft und solare PV in den vergangenen 10 Jahren ein explosionsartiges, jährliches Wachstum von durchschnittlich 23 Prozent bzw. 50 Prozent pro Jahr; der Anteil an der Energieversorgung weltweit lag im Jahr 2015 jedoch nur bei 4 Prozent.

Der Bericht mit dem Titel „Variable Renewables Integration in Electricity Systems 2016 - How to get it right” wurde vom Weltenergierat in Zusammenarbeit mit CESI S.p.A. veröffentlicht und enthält Fallstudien aus 32 Ländern, die circa 90 Prozent der weltweit installierten Wind- und Solarkapazität ausmachen.

Erneuerbare Energien haben sich zu einem Milliardengeschäft entwickelt: Im Jahr 2015 wurde eine Rekordsumme von 286 Milliarden US-Dollar in 154 GW an neuer Kapazität aus erneuerbaren Energien investiert (76 Prozent in Windkraft und PV). Dieser Betrag liegt deutlich über den Investitionen in die konventionelle Energieerzeugung, die um 97 GW gestiegen sind.

Der Bericht wurde im Vorfeld des zwischen dem 10. und 13. Oktober in Istanbul stattfindenden 23. World Energy Congress erstellt. Die Rolle erneuerbaren Energien im globalen Energiemix und wie sie den Wandel zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft beschleunigen, ist eines der Schlüsselthemen am ersten Kongresstag.

Christoph Frei, Generalsekretär, Weltenergierat, sagte: „Der Erfolg bei der Entwicklung volatiler erneuerbarer Energien und ihrer effizienten Integration in die Stromsysteme hängt maßgeblich vom Marktdesign und dem regulatorischen Rahmen ab, sowie von einer umfassenden Regionalplanung, um Engpässe zu vermeiden.”
„Wir haben den kritischen Punkt der Energiewende überwunden. Die Umsetzung technisch und wirtschaftlich stabiler Richtlinien, unterstützt durch eindeutige Signale beim CO2-Preis, ermöglicht diesen Wandel und bringt uns einen Schritt näher, die bei COP21 vereinbarten Klimaziele zu erreichen.”

Ständig verbesserte Technologien und Kostenreduktion verringern den Kapitalaufwand (CAPEX) sowie die Betriebs- und Wartungskosten (O&M) für erneuerbare Energien. Den jüngsten Daten zufolge liegt der niedrigste Auktionswert für Wind bei einem Tarif von USD 28/MWh in Marokko und bei USD 30/MWh für eine 800-MV-PV-Solaranlage in Dubai. Diese außergewöhnlich niedrigen Werte lassen sich im Allgemeinen nicht auf andere Länder mit völlig anderer Volllaststundenzahl bei Wind und Sonne sowie anderen Systemkosten übertragen, weisen aber auf einen Abwärtstrend bei den Kosten hin. In Kontinentaleuropa ist die Volllaststundenzahl bei Wind und Sonne bis zu 50 Prozent niedriger und die Systemkosten wesentlich höher.

Alessandro Clerici, Vorsitzender des Knowledge Network zur Integration erneuerbarer Energieträger in Stromsysteme, Weltenergierat, sagte: „Geeignete Technologien und politische Maßnahmen, einschließlich Regulierung und Marktdesign, spielen beim Ausbau volatiler erneuerbarer Energien und ihrer effizienten Integration ins Stromnetz eine entscheidende Rolle. Politische Lösungen müssen mit effektiven und bezahlbaren technologischen Lösungen einhergehen.“

„Was in einem bestimmten Land funktioniert, hängt sowohl von den spezifischen Umständen als auch von der Qualität der Umsetzung der gesetzlichen Richtlinien ab. 

Entscheidend bei der Planung der Integration von volatilen erneuerbaren Energiequellen ist ein ganzheitlicher und auf Langfristigkeit ausgelegter Ansatz für das Systemdesign. Dazu gehört auch eine ehrliche und transparente Kosteneinschätzung, um Investitionsanreize zu schaffen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sowie ein robuster Energiesektor, unabhängig von den Ressourcen oder der geografischen Lage eines Landes.” Der Bericht führt Erfahrungswerte sowie erfolgskritische Faktoren auf und empfiehlt konkrete Maßnahmen für eine erfolgreiche Integration von volatilen erneuerbaren Energieträgern in Stromsysteme.

Wesentliche Empfehlungen für eine nachhaltige Integration von erneuerbaren Energieträgern sind:
  • Entscheidungsträger müssen Marktregeln festlegen, um ein nachhaltigeres Energiesystem sicherzustellen, das ein ausgeglichenes Energie-Trilemma, das heißt eine Balance zwischen Versorgungssicherheit, Umweltfreundlichkeit und Bezahlbarkeit, aufweist, einschließlich klar definierter CO2-Emissionsvorschriften.
  • Die Einführung von Kapazitätsmärkten kann zur Gewährleistung von Versorgungssicherheit beitragen, falls Energy-only-Märkte in Ländern mit einem hohen Anteil an verschiedenen erneuerbaren Energien nicht ausreichen, um eine zuverlässige Versorgung zu garantieren.
  • Wettervorhersagemethoden müssen verbessert und genauer werden, sodass auf die sich ändernden Gegebenheiten bei Wind und Sonne/Variabilität schnell reagiert werden kann.
Vor dem Hintergrund der weltweit wachsenden Bedeutung von erneuerbaren Energien müssen Industrie und politische Entscheidungsträger diese neuen Herausforderungen adressieren, um die Integration von Erneuerbaren, Versorgungssicherheit und kontinuierlichem Wachstum zu gewährleisten.
Quelle: sonnenseite.com /   Weltenergierat (World Energy Council) 2016

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Dienstag, 20. September 2016

Strom- und Nahrungsmittelproduktion kombiniert

Der rasante Zubau an Photovoltaik (PV)-Kraftwerken auf Freiflächen in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt rückt die zunehmende Landnutzungskonkurrenz zwischen der Produktion von erneuerbaren Energien und Nahrungsmitteln immer mehr in den Fokus.

Unter dem Titel »Kartoffeln unter dem Kollektor« veröffentlichte Prof. Adolf Goetzberger 1981 in der Zeitschrift Sonnenenergie einen »Vorschlag für eine besonders günstige Anordnung für Solarenergieanlagen in Verbindung mit der landwirtschaftlichen Nutzung«. Nachdem das Konzept einige Jahre in der Schublade verschwunden war, beschäftigten sich Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solar Energiesysteme ISE seit 2011 wieder intensiv mit der Agrophotovoltaik (APV), der gleichzeitigen Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für die Nahrungsmittelproduktion und die Energiegewinnung. Jetzt können die Wissenschaftler des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern des heutigen Projekts »APV-Resola« die Ernte des Gedankens von damals einholen: Am 18. September 2016 weihen sie in einem Pilotprojekt am Bodensee die größte APV-Forschungsanlage in Deutschland ein. Bei diesem Anlass wird auch die Auszeichnung als Ort im Land der Ideen überreicht.


Der rasante Zubau an Photovoltaik (PV)-Kraftwerken auf Freiflächen in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt rückt die zunehmende Landnutzungskonkurrenz zwischen der Produktion von erneuerbaren Energien und Nahrungsmitteln immer mehr in den Fokus. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg haben eine frühe Idee ihres Institutsgründers aufgegriffen und in Zusammenarbeit mit der BayWa r. e., den Elektrizitätswerken Schönau (EWS), der Hofgemeinschaft Heggelbach, dem Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), der Universität Hohenheim sowie dem Regionalverband Bodensee-Oberschwaben und der lokalen Bevölkerung nun eine Pilotanlage für APV realisiert. Agrophotovoltaik bedeutet eine innovative, ressourceneffiziente Doppelnutzung landwirtschaftlicher Flächen, welche die Produktion von landwirtschaftlichen Gütern unterhalb von PV-Freiflächenanlagen erlaubt. »Angesichts des dynamischen, weltweiten Wachstums der Photovoltaik im letzten Jahrzehnt und dem damit verbundenen steigenden Flächenbedarf für PV-Anlagen, erlauben innovative Konzepte wie die Agrophotovoltaik eine Doppelnutzung agrarischer Flächen und helfen so dem weiteren, raschen Umbau des globalen Energiesystems«, so Prof. Dr. Eicke R. Weber, Institutsleiter am Fraunhofer ISE.


Im März 2015 startete die APV-Projektgruppe in der Modellregion Bodensee-Oberschwaben nach umfassenden Untersuchungen, Modellierungen und Simulationen das Pilotvorhaben, in dessen Rahmen jetzt die APV-Pilotanlage auf Ackerflächen der Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach installiert und in Betrieb genommen wurde. Eine Testfläche von insgesamt ca. 2,5 Hektar wird hierfür eingesetzt. Davon beansprucht die APV-Anlage einen Drittel Hektar. Unter den in fünf Metern Höhe montierten PV-Modulen werden in der Projektlaufzeit vier Kulturen – Weizen, Kleegras, Kartoffeln und Sellerie – gleichzeitig angebaut. Auf dem übrigen Testacker hat das Projektteam eine Referenzfläche in der gleichen Größe, mit der gleichen Bepflanzung angelegt, aber ohne PV-Module. Aus dem direkten Vergleich werden die Wissenschaftler ableiten, welche Gemüsearten oder Feldfrüchte besonders für die APV-Anlage geeignet sind und eine möglichst effiziente Doppelnutzung der Landfläche ermöglichen.


Die installierte Leistung der APV-Anlage von 194 kWp kann den Strombedarf von rund 62 Haushalten decken. Der überschüssige Strom wird von den Elektrizitätswerken Schönau abgenommen. Die APV-Anlage ist mit sogenannten bifazialen PV-Modulen der deutschen Firma SolarWorld bestückt. Diese können nicht nur vorderseitig Sonneneinstrahlung in Strom umwandeln, sondern über die Rückseite auch die reflektierte Strahlung der Umgebung aufnehmen. Sie erhöhen den Energieertrag pro Fläche und sorgen durch die beidseitige Zellverglasung für eine homogenere Lichtverteilung über den Pflanzen. »Der Landwirtschaftssektor steht u. a. vor der Herausforderung, den starken Ausbau der erneuerbaren Energien und damit verbunden den Wandel von Kulturlandschaften hin zu Energielandschaften zu bewerkstelligen«, so Stephan Schindele, Projektleiter am Fraunhofer ISE. »In diesem Kontext kann die Agrophotovoltaik ein wegweisender Lösungsansatz für die Zukunft sein.«


Gemeinsam mit dem österreichischen Solartechnikhersteller Hilber Solar wurde eine Unterkonstruktion entwickelt, die an die spezifischen Gegebenheiten des Geländes vor Ort angepasst ist und durch eine modulare Bauweise zukünftig mit minimalem Aufwand flexibel an andere Einsatzorte angepasst werden kann. »Wir sind gespannt auf den Praxistest der APV-Pilotanlage«, so Thomas Schmid von der Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach. »Für uns ist entscheidend, dass die Anlage einfach zu handhaben ist und ein Ernteertrag von mindestens 80 Prozent im Vergleich zum Referenzfeld ohne PV-Module erzielt werden kann.« Bis 2019 werden die Projektpartner die Pilotanlage gemeinsam betreiben. Im Sommer 2017 und 2018 ist jeweils Erntezeit unter der APV-Anlage in Heggelbach. Danach werden die Ergebnisse in den einzelnen Arbeitsgebieten ausgewertet und in einem gemeinsamen Abschlussbericht veröffentlicht.

Montag, 19. September 2016

Und es geht weiter bergab mit den Solaraktien


Der PPVX ist letzte Woche um 4,6% auf 1.031 Punkte gesunken, der NYSE Arca Oil um 2,5%. Seit Jahresanfang 2016 liegt der PPVX mit -35,9% währungsbereinigt rund 36 Prozentpunkte hinter dem Erdölaktienindex (0,0%). Die Top 3 Titel seit Jahresanfang sind Chorus Clean Energy AG (+19%), TerraForm Power (+4%) und Xinyi Solar Holdings (+3%). Die grössten Gewinner der Woche waren SPI Energy (+14%) und SolarCity (+4%), die grössten Verlierer SunPower (-19%) undJA Solar (-18%). Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 22,5 Mrd. Euro. Seit 2003 liegt der PPVX (+250%) rund 119 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +131%). 


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Der Solaraktienindex PPVX erscheint abwechslungsweise auf Solarmedia und in den Zwischenwochen auf  Vorsorgemedia!

Quelle: Öko-Invest-Verlag, Wien, oeko-invest@teleweb.at

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Freitag, 16. September 2016

Streifzug durch die neue megasol-Modul-Produktion

Es gibt in Europa nicht mehr deren viele - in der Schweiz schon gar nicht. So kann sich die im solothurnischen Deitingen unweit Biel neueröffnete Solarmodulfabrik von megasol getrost die grösste der Schweiz und eine der zehn grössten Europas nennen. 

Eindrücklich ist die ganze megasol-Geschichte trotzdem: Da hatte in den 90er Jahren ein Minderjähriger in der Garage seiner Eltern begonnen Solarmodule zusammenzubauen. Heute ist Markus Gisler 35jährig und Chef von rund 200 Angestellten. Seine megasol produziert in China Modul-Massenware und in der Schweiz Spezialanfertigungen. Diese sind Glas-zu-Glas-Module mit besonders langer Lebensdauer, weshalb sie vor allem für grosse Projekte langfristig orientierter Investoren in Frage kommen - und vor allem auch in der Fassadenverkleidung, die damit zum neuen Träger der Solarstrom-Produktion wird. Solarmedia hat sich aus Anlass der Eröffnung der neuen Fabrik in Deiningen (SO) in der Produktion umgeschaut und präsentiert eine Bildauswahl (Vergössern der Bilder mit Klick auf Fotos):

megasol's neue Heimat etwas verloren in der Nähe von Biel



Im neuen Business-Park für Cleantech-Firmen
 werden durch Roboter die
Solarzellen zu Modulen verlötet
 
In Vakumierungsanlagen erfolgt die Laminierung
der Glas-zu-Glasmodule
Schön anzuschauen und in
verschiedensten Farben lieferbar


Ein weiterer Blick in die Produktionsstrasse

«Nicht kaputtbar», so wirbt megasol mit der Widerstandskraft
seiner Module, die u.a. grosse Schneelasten tragen -
oder auch mal ein Auto
Vor der neuen Produktionsanlage mit 80 MW Jahresleistung
ist auch eine Solartankstelle verfügbar, die der im neuen
Industriepark erzeugte Solarstrom liefert.

Bilder vergrössern mit Klick auf diese !


Quelle: Text und Bild Guntram Rehsche - Solarmedia

siehe auch «Der Bund 16.9.16»

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