Freitag, 25. März 2016

Wie schwer ist ein Terroranschlag auf ein AKW?

Vor einem Jahr flog ein deutscher Kopilot sein Flugzeug mit 150 Insassen bewusst in eine Alpenschlucht. Nur wenige Kilometer entfernt laufen drei französische Atomkraftwerke. Was wäre gewesen, wenn er den Flieger in eines dieser drei AKW gesteuert hätte? Europa würde heute anders aussehen. Ein Gastkommentar von Franz Alt.

In Frankreich laufen noch immer 58 AKW und in Deutschland neun. In diesen Tagen des Terroranschlags in Brüssel stellt sich die Frage eines Anschlags auf ein AKW ganz neu und dringlich. Belgiens sieben Atomkraftwerke gelten schon lange als Sicherheitsrisiko. Französische und belgische Zeitungen berichten, dass die AKW Doel und Tihange als Anschlagsziele schon länger von Terroristen ins Visier genommen wurden. Im Radius von 75 Km des AKW Doel leben rund neun Millionen Menschen. Im Oktober 2014 entdeckten belgische Behörden, dass ein Dschihadist von 2009 bis 2012 im Hochsicherheitstrakt von Doel gearbeitet hatte. Der Mann hieß Ilyass Banghalab, stammte aus Marokko und war Mitglied einer islamistischen Gruppe, die aus Belgien einen islamischen Gottesstaat machen wollte. Der Mann war auch Mitglied des „Islamischen Staats“, IS.
 
Natürlich lebt der Terrorist, der einen solchen Anschlag plant, schon lange mitten unter uns. Wer das nicht erkennt, lebt im Reich der Illusionen, aber nicht auf dieser Erde. Zudem besteht berechtigte Angst vor einer IS-Atombombe.
„Die Herstellung eines atomaren Sprengsatzes ist kein Problem“, sagt der Energie- und Atompolitikberater Mycle Schneider der TAZ. In den USA haben zwei Studenten über öffentlich zugängliche Literatur in eineinhalb Jahren ein Atombomben-Konzept gebastelt. Wir haben bisher nur Glück gehabt, meint Schneider: „Man muss befürchten, dass es Terrorattacken auf Atomanlagen geben wird, die zur Freisetzung großer Mengen Radioaktivität führen könnten“.
Schon bisher gab es Vorfälle der verschiedensten Art, die Anlass zur Sorge geben. Am 11. September 2001 ist eines der Flugzeuge in Pennsylvania abgestürzt, das vermutlich auf ein US-AKW angesetzt war. 

2015 sind über allen französischen AKW Drohnen gesichtet worden – ein Vorfall, der bis heute nicht aufgeklärt ist. Die TAZ fragte den Atomfachmann auch, wie schwer es sei, ein Atomkraftwerk so zu sabotieren, dass es zu einem GAU kommt. Schneider: „Ich sage es nicht gern, aber technisch ist das nicht sehr schwer“. 

Je rascher sich die Menschheit von der Atomenergie verabschiedet, desto sicherer wird die Welt.

SPIEGEL ONLINE: Terror in Belgien: Verdächtiges Personal im Atomkraftwerk. Nach den Brüsseler Anschlägen haben Betreiber externe Mitarbeiter aus Belgiens Atommeilern verbannt. Schon einmal hat ein Dschihadist über ein Subunternehmen einen Job in einem belgischen AKW bekommen.

Quelle: Franz Alt / sonnenseite.com

Montag, 21. März 2016

Meyer Burger bleibt auf Verlust sitzen

Der grösste Schweizer Solarkonzern, die Meyer Burger Technology AG erreichte im Berichtsjahr 2015 einen deutlichen Anstieg beim Auftragseingang. Dieser erhöhte sich im Vorjahresvergleich zu konstanten Wechselkursen um 40.4% auf CHF 418.9 Mio. Der Nettoumsatz belief sich auf CHF 323.6 Mio., was zu konstanten Wechselkursen einer Steigerung von 8.3% entspricht.

Im 2015 lagen die operativen Betriebskosten wie geplant deutlich tiefer als im Vorjahr. Das Betriebsergebnis EBITDA belief sich auf CHF -55.9 Mio. (Vorjahr CHF -95.6 Mio.). Das EBITDA war indes belastet durch die erwähnten Umsatzverzögerungen und einmalige Sondereffekte durch den Verkauf der Tochtergesellschaften Roth & Rau Ortner. Der operative Cashflow belief sich auf CHF -51.9 Mio. und hat sich gegenüber dem Vorjahr um rund CHF 101 Mio. verbessert. Mit den im Vorjahr 2014 und im Berichtsjahr 2015 vorgenommenen Kostensenkungsmassnahmen ist die Basis gelegt, um bei einer Umsatzgrösse von CHF 400 Mio. auf Stufe EBITDA ein Break-even Resultat zu erreichen.     

Auftragseingang und Auftragsbestand: Im Berichtsjahr 2015 hat sich die Markteinschätzung von Meyer Burger bestätigt, dass aufgrund des zunehmenden Bedarfs an erneuerbaren Energien, diverse Solarzell- und Modulhersteller ihre bestehenden Produktionslinien erneuern bzw. upgraden oder sogar neue Produktionskapazitäten aufbauen werden. Mehrere der Tier 1 und 2 Hersteller haben signalisiert, dass ihre Produktionskapazitäten im 2015 wieder voll ausgelastet waren. Dies nach beinahe vier Jahren von zum Teil massiven Überkapazitäten auf Seiten dieser Hersteller. Die veränderte Situation schlug sich entsprechend im Auftragseingang der Meyer Burger Gruppe nieder.

Das Volumen an neu erteilten Aufträgen stieg im Vergleich zum Vorjahr zu konstanten Wechselkursen um 40.4% (in CHF +28.5%) auf CHF 418.9 Mio. (Vorjahr CHF 326.0 Mio.). Im Segment Photovoltaik konnten verschiedene grössere Aufträge in einem Gesamtwert von rund CHF 142 Mio. (Vorjahr CHF 42 Mio.) gewonnen werden. Dies waren insbesondere Aufträge für MB PERC-Technologie MAiA 2.1, Heterojunction Zellbeschichtungsequipment sowie für Wafer- und Modulmesstechnologien. Im Bereich Specialised Technologies gelang es ebenfalls, die erwarteten Auftragseingänge zu realisieren.

Der Auftragsbestand per 31. Dezember 2015 lag 35.5% über dem Vorjahreswert und erreichte CHF 257.5 Mio. (31.12.2014 CHF 190.1 Mio.), was eine gute Ausgangsbasis für das angelaufene Berichtsjahr 2016 bildet. Die Book-to-Bill Ratio lag bei 1.29 (Vorjahr 1.03).  

Mit der unter Gläubigerschutz stehenden GT Advanced Technologies Inc. („GTAT“) konnte im ersten Halbjahr 2015 ein Vergleich erzielt werden. Die daraus resultierende, unbesicherte Forderung gegenüber GTAT wurde zu einem reduzierten Preis an Citigroup Financial Products Inc. abgetreten, um für Meyer Burger weitere Rechtskosten und Inkasso-Risiken der Forderung an GTAT zu reduzieren. Insgesamt erhielt Meyer Burger für die unbesicherte Forderung flüssige Mittel in Höhe von USD 13.9 Mio. Für das Berichtsjahr 2015 ergeben sich infolge des Settlements und der bereits im Jahr 2014 erfolgten Wertberichtigungen aus diesem Sachverhalt ein Umsatzanteil von CHF 10.4 Mio. sowie ein Buchgewinn von CHF 5.7 Mio.

Nettoumsatz: Der Nettoumsatz stieg zu konstanten Wechselkursen um 8.3% (in CHF +2.4%) auf CHF 323.6 Mio. (Vorjahr CHF 315.8 Mio.). Infolge von Projektverzögerungen bei einzelnen grösseren Kundenprojekten verschoben sich die finalen Abnahmen durch Kunden für eine gewisse Anzahl an Anlagen und Systemen ins Jahr 2016. Insgesamt war davon ein für 2015 geplantes Umsatzvolumen von rund CHF 40 Mio. betroffen. Die entsprechenden Umsätze und Gewinnbeiträge aus diesen verzögerten Auftragsabnahmen werden jedoch im Verlauf von 2016 realisiert.

Profitabilität: Die Betriebsleistung nach Materialaufwand und Vorleistungen belief sich auf CHF 154.2 Mio. (Vorjahr CHF 133.5 Mio.). Die Betriebsleistungsmarge erhöhte sich im Berichtsjahr 2015 um 5.4 Prozentpunkte auf 47.7% (Vorjahr 42.3%). Damit konnte im 2015 wieder eine Bruttomarge im Rahmen der Erwartungen erzielt werden. Die normalisierten Betriebsleistungsmargen lagen im Berichtsjahr 2015 bei rund 49% und im Vorjahr bei rund 50%.

Die bereits im Jahr 2014 vorgenommenen Massnahmen zur Reduktion der operativen Kosten zeigten ihre erwartete Wirkung. Der Personalaufwand lag um CHF 25.4 Mio. bzw. 14% tiefer als im Vorjahr und betrug insgesamt CHF 154.8 Mio. (Vorjahr CHF 180.2 Mio.). Die Ende Juli 2015 angekündigten Restrukturierungsmassnahmen bei Diamond Materials Tech Inc. („DMT“) in Colorado Springs haben zu einem weiteren Personalabbau an diesem Standort geführt. Gegenüber dem Stand zu Jahresbeginn 2015 sinkt die operative Kostenbasis ab dem Geschäftsjahr 2016 durch diese und bereits früher getroffene Massnahmen in Colorado Springs um insgesamt über USD 6 Mio.
  
AUSBLICK: Die Solarenergie wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten global einen immer wichtigeren Platz in der gesamten zukünftigen Energieversorgung einnehmen. Schätzungen der IEA (International Energy Agency) mit erwarteten 4‘500 GW an installierter PV-Basis bei Endkunden im Jahr 2050 verdeutlichen das hohe Wachstumspotenzial gegenüber den aktuell per Jahresende 2015 rund 225 GW an installierter PV-Basis bzw. erwarteten 550-600 GW im Jahr 2020. 

Dieses hohe Wachstum an end-installierter PV-Basis bedeutet für die Kunden von Meyer Burger, dass sie neue Investitionen tätigen müssen, um mit den Technologiefortschritten bei der Zell- und Moduleffizienz und dem hohen Marktwachstum mitzuhalten. Im Berichtsjahr 2015 hat sich die Verschiebung der Nachfrage im Upgrade-Geschäft von Standardzelltechnologien hin zu hocheffizienten Zelltechnologien wie PERC sowie von Slurry-basierten hin zu Diamantdraht-basierten Sägetechnologien bestätigt. Meyer Burger geht davon aus, dass in den kommenden zwei bis drei Jahren auch vermehrt im Replacement-Geschäft ein klarer Trend von Slurry- hin zu Diamantdraht-basierten Sägen eintreten wird. Mit ihrem breit aufgestellten Produkt- und Lösungsportfolio adressiert Meyer Burger über einen Zeitabschnitt der nächsten fünf Jahre betrachtet (2016 bis 2020) einen Gesamtmarkt von rund CHF 18-20 Mia. 

Im laufenden Geschäftsjahr 2016 hat sich Meyer Burger ein solides Umsatzwachstum und das Erreichen der Break-even Schwelle auf Stufe EBITDA zum Ziel gesetzt. Das Langfristziel der Roadmap 2020/21 mit einer Umsatz-Grössenordnung von rund CHF 1.3 Mia. und einer EBITDA-Marge von zwischen 13% bis 15% erscheint aus heutiger Sicht sicherlich sehr ambitiös. Es zeigt aber grob den langfristigen Wachstumstrend auf, den die Meyer Burger Gruppe in den kommenden Jahren beschreiten will – und die Chancen, die sich dem Technologieunternehmen bieten.

Erneuerbare Energien setzen sich weltweit durch

Erneuerbare Energien setzen sich bis 2040 weltweit durch. Deutschland behält seine Vorreiterrolle beim Umbau der Energiewirtschaft, bekommt aber starke Konkurrenz aus China. Die Energiesysteme von Ländern werden in Zukunft viel stärker als heute miteinander verknüpft sein. 

Das sind zentrale Ergebnisse der Studie „Delphi Energy Future 2040“, für die 350 Experten weltweit befragt wurden. Das weltweit tätige Beratungsunternehmen PwC hat diese Studie gemeinsam mit dem deutschen Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) ins Leben gerufen. Die Initiatoren präsentierten die Ergebnisse in Berlin.

Nach Meinung von 60 Prozent der Energieexperten aus 40 Ländern wird sich der Energieverbrauch rund um den Globus bis 2040 im Vergleich zu 2015 verdoppeln. Wichtigste Treiber sind das weltweite Wirtschaftswachstum und der Anstieg der Mobilität. Die steigende Energieeffizienz kann den Zuwachs des Energieverbrauchs nicht stoppen. Allerdings gehören erneuerbaren Energien die Zukunft: Die größten CO2-emittierenden Länder der Welt werden nachhaltige Energiesysteme weiter ausbauen und die Bekämpfung des Klimawandels wird die Wirtschaft- und Energiepolitik beherrschen, sind 73 Prozent überzeugt.

Humanitäre Krisen, ausgelöst durch Umweltkatastrophen, beschleunigen den Umbau der Energiesysteme. Auch in den Schwellenländern wie China und Indien wird die wachsende Mittelschicht den Umstieg auf eine nachhaltige Energiepolitik bis 2040 erzwungen haben, so die Meinung von 78 Prozent. In Sachen Klimapolitik rechnen 58 Prozent der Experten mit deutlichen Fortschritten: International wird sich bis 2040 ein weltweites Klimaregime mit verbindlichen und ambitionierten CO2-Zielen durchgesetzt haben.  

Die Experten rechnen mit einem grundlegenden Umbau der Energiesysteme: Sie werden sich weg orientieren von nationalen Ansätzen hin zu internationalen Lösungen. Mehr als zwei Drittel sind davon überzeugt, dass sich die Energieerzeugung, die Netze und der Handel mit Energie über Staatsgrenzen hinweg ausgerichtet sein werden. Nationale Strukturen und Monopole werden sich bis 2040 aufgelöst haben. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in Europa wider: 72 Prozent der befragten Energieexperten sind der Auffassung, dass Europa 2040 eine gemeinsame Energiepolitik vertreten wird. Damit verbunden sind Investitionen in die Infrastruktur und Lieferabkommen mit Drittstaaten. Bist 2040 rechnen die Energiefachleute mit einer harmonisierten Energie-Innenpolitik innerhalb der Europäischen Union und einem leistungsfähigen Energie-Binnenmarkt. Europa wird dann hocheffizient per Supergrid verbunden sein. Die Abhängigkeit von russischen Öl- und Gasexporten wird dramatisch sinken, so die Meinung von knapp drei Viertel der befragten Experten.   

Erneuerbare Energien konsequent auszubauen bietet aus Sicht der Energiefachleute enorme Vorteile: So gehen rund drei Viertel der Befragten davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage von Ländern, die auf erneuerbare Energien setzen, stark verbessern wird und sie die Liste der wettbewerbsstärksten Volkswirtschaften anführen werden. Allerdings sehen 60 Prozent eine Gefahr darin, dass die rückläufige Nachfrage nach fossilen Energieträgern die Lage in den Förderländern destabilisiert. Auf der anderen Seite werden durch die zunehmende Dezentralisierung und Flexibilisierung der Energiezeugung und Versorgung Strukturen aufgebaut, die gegenüber Krisen und Terrorismus weniger anfällig sind, so die Überzeugung von 70 Prozent.

Deutschland behält die Systemführerschaft für das Management eines auf erneuerbaren Energien ausgerichteten Energiesystems inne und ist führende Exportnation für Energietechnik, meint eine knappe Mehrheit. China wird allerdings bis 2040 der weltgrößte Entwickler und Innovator von nachhaltigen Energietechnologien sein, so die Auffassung von 73 Prozent. Die Rolle der klassischen Energieversorger wird sich grundlegend verändern: Sie werden nur noch für wenige technische Funktionen wie den Netzbetrieb verantwortlich sein, während viele kleine Produzenten die Stromerzeugung übernehmen, glauben 67 Prozent.

Der Umgang mit Strom wird sich bis 2040 grundsätzlich ändern: So wird sich eine Flatrate für Strom bis 2040 durchgesetzt haben, sind 59 Prozent überzeugt. Hocheffiziente Sustainable Cities werden bis dahin entstehen, in denen die individuelle Mobilität allerdings stark reduziert sein wird und die ihren Energiebedarf durch Prosuming in intelligenten Mikronetzen decken, sind 65 Prozent überzeugt. Die Verbraucher können bis 2040 auf jedem Produkt die C02-Emissionen, die bei Herstellung und Transport entstanden sind, standardmäßig ablesen, glauben vier von fünf Befragten. Großes Markpotenzial räumen 83 Prozent stromerzeugenden Fenstern und Fassaden ein.

Und schließlich werden 2040 Batteriekraftwerke die Funktion der konventionellen Kraftwerke bei der Systemstabilität übernommen haben, so 68 Prozent der Befragten. Bis 2040 setzt sich auch die Batterietechnik durch: Elektrofahrzeuge können mittels neuer Batterien dann 3000 Kilometer zurücklegen, die dafür in wenigen Minuten aufgeladen werden, glaubt etwas mehr als die Hälfte. Wie wichtig die Speichertechnologie für die Zukunft ist, zeigt sich auch daran, dass die Experten sie als wichtigste bahnbrechende Technologie noch vor erneuerbaren Energien nennen. 

Quelle: www.delphi-energy-future.com/de/

Freitag, 11. März 2016

Auch im Jahr 2016 geht es weltweit munter voran

Laut IHS Inc. (Englewood, Colorado, USA) wird die weltweit installierte Photovoltaik-Leistung bis Ende 2016 auf über 310 Gigawatt steigen. Ende 2010 waren es noch 40 GW. Das zeigt eine Aufstellung des Solarportals solarserver.de beruhend auf US-Quellen.
 
Die fünf Länder, auf die 70 % der installierten Gesamtleistung entfallen, sind China, die USA, Japan, Deutschland und Italien. Deutschland wird, gemessen an der installierten PV-Leistung, laut IHS von Platz zwei auf Platz vier zurückfallen und von den USA und Japan überholt werden.
„Die anhaltende Stagnation großer europäischer Märkte aufgrund der Förder-Kürzungen hat dazu geführt, dass der PV-Zubau in Europa in den letzten Jahren dramatisch eingebrochen ist. Aber die weltweite Nachfrage ist nach wie vor groß“, sagte die Analystin Josefin Berg. „Die Wertschöpfungskette profitiert von einer Periode relativ stabiler Preise, und es könnte eine neue Welle von Kapazitätserweiterungen kommen.“

Globaler PV-Zubau soll 2016 um 17 % wachsen: In den letzten Monaten des Jahres 2015 wuchs die globale Photovoltaik-Industrie kräftig. Während einige Regionalmärkte für lokale Anbieter schwierig sind, sind die Aussichten für die globale Industrie im Jahr 2016 nach wie vor positiv. Nachdem der weltweite PV-Zubau im Jahr 2015 um 35 % wuchs, soll er im laufenden Jahr noch einmal um 17 % zulegen und im vierten Quartal ein Volumen von 21 Gigawatt erreichen.

Hohe Nachfrage sorgt für stabile Modulpreise: Die weltweit installierte PV-Leistung steigt in diesem Jahr voraussichtlich um 69 GW (2015: 59 GW). Der Zubau in den USA, Indien und China wächst den Prognosen zufolge um 5,6 GW, 2,7 GW bzw. 0,9 GW gegenüber dem Vorjahr, so dass auf diese Länder 9,3 GW des Anstiegs entfallen. Die anhaltend starke Photovoltaik-Nachfrage sorgt außerdem dafür, dass die Modulpreise stabil bleiben. Sie sollen 2016 um weniger als 5 % fallen – das wäre seit IHS-Aufzeichnungen der kleinste Rückgang in einem Jahr. Insgesamt war 2015 ein gutes Jahr für Modulhersteller: Die Bruttomargen erreichten laut IHS im Durchschnitt 22 %. Vor allem aufgrund der rückläufigen Polysilizium-Preise und einer starken Preisgestaltung in einigen Märkten stieg der Rohertrag aus Modulverkäufen im Berichtsjahr auf 8,5 Milliarden US-Dollar – das höchste Niveau seit 2011. 

Quelle: IHS | solarserver.de

Dienstag, 8. März 2016

Durchbruch für flexible Solarzellen

Im November 2012 startete das EU Projekt TREASORES (Transparent Electrodes for Large Area Large Scale Production of Organic Optoelectronic Devices) mit dem Ziel, die Produktionskosten von organischen Bauteilen wie Solarzellen und LED Paneelen spürbar zu reduzieren. Das Projekt wurde mit 9 Millionen Euro von der Europäischen Union und weiteren 6 Millionen Euro durch Eigenmittel der Partner finanziert. Es erbrachte sieben Patente, ein Dutzend wissenschaftliche Publikationen sowie massgebliche Beiträge zu internationalen Organisationen für Normung.

Als wichtigstes Ergebnis hat das Projekt Produktionsprozesse für verschiedene Typen transparenter Elektroden und Barrierematerialien für die nächste Generation flexibler Optoelektronik entwickelt und in einem zweiten Schritt für die Industrieproduktion hochskaliert. Drei dieser Elektroden auf flexiblen Substraten – sie basieren entweder auf Kohlenstoffnanoröhrchen, Metallfasern oder dünnen Silberschichten – werden bereits kommerziell produziert oder sollen noch dieses Jahr auf den Markt kommen. 

Die nächste Generation von Lichtquellen und Solarzellen soll mittels Rolle-zu-Rolle-Fabrikation hergestellt werden, wofür sich die neuen Elektroden besonders gut eignen. Eine Rolle mit OLED- Lichtquellen und Projekt-Logo wurde durch einen solchen Rolle-zu-Rolle Prozess am Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl und Plasmatechnik FEP in Dresden auf einer dünnen Silberelektrode hergestellt, welche im Rahmen des Projekts von der Rowo Coating GmbH entwickelt wurde. Solche Prozesstechnologien werden in Zukunft die Preise für Lichtquellen und Solarzellen deutlich sinken lassen, benötigen jedoch flexible und transparente Elektroden und wasserdichte Barrieren, welche ebenfalls im Rahmen des TREASORES Projekts entwickelt wurden. Die Projektelektroden sind bereits jetzt ebenso leistungsfähig und transparent wie Elektroden der aktuellen Technologie (basierend auf Indium dotiertem Zinnoxid, ITO), teilweise sind sie diesen Elektroden sogar überlegen. Sie können jedoch kostengünstiger produziert werden und beruhen nicht auf dem Import von seltenem Indium.

Tomasz Wanski vom Fraunhofer FEP bestätigt, dass mit den neuen Elektroden äußerst homogene Lichtquellen auch auf größeren Flächen mit einer Effizienz von 25 Lumen pro Watt erreicht wurden – ebenso gut wie äquivalente Bauteile der bisherigen OLED-Technologie, die mit einem langsameren Produktionsprozess auf einzelnen Folien hergestellt werden. Im Laufe des Projektes wurden am National Physical Laboratory in Grossbritannien auch neue Testmethoden für die Biegefestigkeit von Elektroden entwickelt – dieser Test könnte auf diesem Gebiet zu einer neuen Norm führen.

Ein weiterer Erfolg des Projektes war die Herstellung, das Testen und die Hochskalierung der Produktion von neuen, transparenten Barrierefolien – gemeint sind Kunststofffolien, welche verhindern, dass Sauerstoff und Wasserdampf in die organischen Bauteile eindringen und diese zerstören. Es gelang, effiziente und kostengünstige Barrieren zu produzieren, die voraussichtlich von der Schweizer Firma Amcor Flexibles Kreuzlingen weiterentwickelt und vermarktet werden können. Solche nicht permeable Barrieren sind essenziell, um die für einen kommerziellen Erfolg benötigte lange Lebensdauer organischer Solarzellen und Lichtquellen zu erreichen. Wie mit einer im Projekt durchgeführten Lebenszyklenanalyse (LCA) bestätigt wurde, sind Solarzellen nur dann kommerziell und ökologisch sinnvoll, wenn sowohl die Effizienz wie auch die Lebensdauer ausreichend hoch sind. Indem man die Produktion von Barrieren und Elektroden kombiniert, anstatt dafür zwei separate Kunststoffsubstrate zu verwenden, können die Produktionskosten weiter reduziert und die Bauteile dünner und flexibler gestaltet werden.

Die große Herausforderung des Projektes war, die Barriere- und Elektrodensubstrate extrem flach, glatt und sauber herzustellen. Optoelektronische Bauteile besitzen aktive Schichten von lediglich ein paar hundert Nanometern – weniger als 1 % des Durchmessers eines menschlichen Haares – und bereits kleine Oberflächendefekte oder unsichtbare Staubpartikel können die Bauteileffizienz erniedrigen oder zu inhomogener Leuchtfläche und kurzer Lebensdauer führen.

Das TREASORES Projekt vereinigte das Knowhow von neun Firmen und sechs Technologieinstituten aus fünf Ländern und wurde von Frank Nüesch von der Eidgenössischen Materialprüfungs-und Forschungsanstalt (Empa) geleitet. „Ich freue mich darauf, noch in diesem Jahr die ersten kommerziellen Produkte aus dem Projekt auf dem Markt zu sehen“, sagt Nüesch. Michael Niggemann, CTO des Solarzellenherstellers Eight19 in Cambridge ist ebenfalls begeistert: „Das TREASORES Projekt war ein Erfolg für Eight19, da es wichtige Beiträge zur Senkung der Produktionskosten unserer Solarzellen lieferte. Wir haben damit einen entscheidenden Schritt hin zur Kommerzialisierung von organischen Solarzellen geschafft – basierend auf einer Technologie, die in Europa entwickelt wurde.“


Das Forschungsprojekt wurde finanziell durch das siebte Rahmenprogramm der Europäischen Union, Vertragsnummer 314068, unterstützt.

CH-Partner im TREASORES Forschungsprojekt sind:
  • Empa (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt), Schweiz
  • Amanuensis GmbH, Schweiz
  • Sefar AG, Schweiz
  • Amcor Flexibles, Schweiz und Deutschland
  • Quantis Sàrl, Schweiz
Quelle: Fraunhofer FEP

Montag, 7. März 2016

Was kommt nach Alpiq's Milliardenverlust noch?


Wer vor Jahresfrist geglaubt hatte, mit den Milliardenabschreibern von Axpo und Alpiq sei die Sache gegessen, sieht sich nun getäuscht: Nachdem schon Axpo – vorwiegend in der Nordostschweiz tätiger Stromriese -  kürzlich einen weiteren Gewaltsabschreiber  vermeldet hatte, ist es nun die Alpiq – in der Westschweiz geschäftend, die erneut fast eine Milliarde verbrannt hat. Wie nur kann das weiter gehen?  Ein Kommentar von Solarmedia-Autor Guntram Rehsche.

Die Geschichte ist zweifellos noch nicht zu Ende. Denn nicht nur die Wasserkraft produziert derzeit mit Verlust – vor allem auch die Atomkraft hat diesen Mühlstein am Hals. Früher hoch gelobt für ihre kostengünstige Produktion von 4-5 Rappen pro Kilowattstunde (auch wenn das nicht die ganze Wahrheit resp. der ganze Preis war), so müssen die verantwortlichen KonzernlenkerInnen nun definitiv eingestehen, dass Grosshandelspreise von um die 3 Rappen eben auch nicht ausreichen, die Kilowattstunde Atomstrom rentabel zu erzeugen.
Alpiq will nun im Zuge des tiefroten Jahresabschlusses mit den Wasserkraftwerken einen Teil des Tafelsilbers verkaufen, obwohl dieses angelaufen ist. Ausser auf zweifelhafte Art und Weise (entweder zu billig oder an ausländische Bewerber) wird ihr das genauso wenig gelingen wie dem Kanton Zürich, der sich aus seiner Beteiligung an der Axpo (und damit an deren Atomanteilen) davonstehlen will. 

Da lagen jene Votanten an der diesjährigen Nationalen Photovoltaiktagung Ende Februar (siehe Solarmedia vom 25. 2.16) nicht falsch, die das Gespenst einer Bad Bank für alle Atombeteiligungen an die Wand malten. Wenn dieses Realität würde, müsste jemand anderes als die grossen Stromkonzerne die Zeche bezahlen – die SteuerzahlerInnen. Und anders als bei der Finanzkrise, deren Bad-Bank-Konstruktionen sich am Schluss für diese gerade noch als profitabel erwiesen (anders als in Ländern wie Deutschland, Belgien und weiteren EU-Staaten), ist ein solches Happy End für die Atomwirtschaft nicht zu erwarten. Denn bei der Atomstromproduktion drücken nicht nur die aktuell tiefen Preise auf das Geschäft – sondern vor allem die noch längst nicht abschätzbaren Kosten der Stilllegung und Entsorgung, wenn es denn einmal mit den AKW’s zu Ende geht. Dass sich die eidgenössischen Parlamentarier gerade eben erst für unbegrenzte Betriebsbewilligungen ausgesprochen haben, macht die Verlustwahrscheinlichkeit nicht kleiner – denn neben das finanzielle Minus tritt so auch noch ein Gauszenario, dessen Wahrscheinlichkeit mit dem politischen Entscheid noch grösser geworden ist. 

Gänzlich unverständlich unter diesen Umständen, dass es in der Schweiz immer noch Protagonisten  der Atomkraft gibt, wie etwa den Berner FdP-Nationalrat Christian Wasserfallen, die die Option Atomkraft sogar für Neubauten weiterhin offen halten wollen.

© Solarmedia Guntram Rehsche / Bild: Beat Jost

Sonntag, 6. März 2016

Hohe Akzeptanz der Energiewende

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien genießt in Europa ebenso wie in Nordamerika, Australien und Neuseeland hohe Akzeptanz. Das geht aus einer Analyse einschlägiger Umfragen hervor, die die Deutsche Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) erstellt hat. 

Die Ergebnisse sind im neuen AEE-Hintergrundpapier „Die Akzeptanz Erneuerbarer Energien im Spiegel von Umfragen in Industriestaaten“ zusammengetragen. Wie daraus hervorgeht, treffen die Erneuerbaren unabhängig vom Ausbaustand regenerativer Energiequellen in den jeweiligen Ländern auf hohes Maß an Zustimmung. Diese beträgt zumeist über 80 Prozent. „Die Analyse zeigt, dass Mehrheiten in grossen Industriestaaten die Energiewende wollen“, erklärt AEE-Geschäftsführer Philipp Vohrer.
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Die in deutscher und englischer Sprache erschienene AEE-Analyse von rund 15 Umfragen aus zehn Ländern konzentriert sich auf die sozio-politische Akzeptanz der Erneuerbaren Energien. Diese umfasst die Akzeptanz für einzelne EE-Technologien im Allgemeinen ebenso wie die Zustimmung zu bestimmten Fördermaßnahmen im Besonderen. Die stärkste Akzeptanz für den Ausbau Erneuerbarer Energien wurde laut dem Umfragevergleich in Deutschland verzeichnet, dicht gefolgt von Frankreich und Japan. Aber nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen europäischen Staaten, deren Politik auf die Förderung der Atomkraft ausgerichtet ist, herrscht große Zustimmung zum Ausbau der Erneuerbaren Energien, so in Großbritannien. 

Trotz der massiven Zustimmung der EU-Bürger zu nationalen Erneuerbare Energien-Zielen ihrer Regierungen haben die Staats- und Regierungschefs in Brüssel anders entschieden: Für die Zeit nach 2020 gibt es nach aktuellem Stand keine verbindlichen EU-Ziele zum Ausbau Erneuerbarer Energien für die einzelnen EU-Staaten mehr. Vielmehr gilt das Ziel von 27 Prozent für den Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch bis 2030 nur für die Europäische Union als Ganzes. Einen anderen Ansatz verfolgt man in Nordamerika, wo konkrete Ausbauziele für die Erneuerbaren auf Ebene der Bundesstaaten bzw. Provinzen bestehen. Solche Ausbauziele genießen dort hohe Zustimmung, allerdings auch in Abhängigkeit von der möglichen Entwicklung der Stromrechnung. 

Die Umfragen sind Momentaufnahmen, doch lassen sich in einzelnen Staaten auch Entwicklungen über mehrere Jahre hinweg verfolgen, so in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den USA. In den USA ist den Menschen laut einer Umfrage des Gallup-Instituts der Umweltschutz zuletzt deutlich wichtiger gewesen als die Ausbeutung weiterer fossiler Ressourcen wie Öl, Gas oder Kohle. Ob dies an den niedrigen Ölpreisen, einem verstärkten Bewusstsein für den Klimawandel oder der besseren Verfügbarkeit Erneuerbarer Energien liegt, geht aus der Umfrage nicht hervor. 

Insgesamt zeigen die analysierten Umfragen, dass die Menschen keine Scheu vor einem dynamischen Ausbau der Erneuerbaren Energien haben. „Die internationale Politik hat sich auf dem G7-Gipfel in Elmau und der UN-Klimakonfe-renz zur Dekarbonisierung und Begrenzung der Erderwärmung verpflichtet. Dem müssen Taten folgen. Die Menschen unterstützen den hierfür erforderlichen starken Ausbau der Erneuerbaren Energien“, betont Vohrer.

Das Hintergrundpapier in der Reihe Renews Kompakt ist in deutscher Sprache hier online verfügbar.

Quelle: unendlich-viel-energie.de

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Freitag, 4. März 2016

Sogar UBS sieht Solarenergie im Aufschwung


  • Der Treibhausgasausstoss der Schweiz ist bereits sehr niedrig. Gemäss internationalen Vereinbarungen der UNO-Klimakonferenz soll er bis 2020 um 20% und bis 2030 um 50% gegenüber 1990 weiter verringert werden.
  • Mitte dieses Jahrhunderts dürfte der Schweizer Strom zu 90% aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Heute liegt ihr Anteil bei knapp 60%.
  • Grundlage des Mix wird die Wasserkraft bleiben. Die neuen erneuerbaren Energien dürften jedoch am stärksten wachsen, allen voran die Solarenergie mit 16% bis 2050.
  • Der Stromerzeugungsmix in der Schweiz bietet kaum Einsparpotenzial beim CO₂-Ausstoss. Mit der zunehmenden Elektrifizierung des Verkehrswesens sowie modernen Bau- und Heiztechniken kann der Erdölkonsum jedoch reduziert und das Ziel erreicht werden.



Quelle: Bundesamt für Energy (BFE), UBS


Der Schweizer Energiewandel wird bestimmt durch die nationale und internationale Energie- und v. a. Klimapolitik, die Marktkräfte sowie den technologischen Fortschritt. Der Treibhausgas-ausstoss der Schweiz ist absolut und pro Kopf schon sehr niedrig und soll weiter verringert werden. Dazu hat sich die Schweiz in ihrer CO₂-Gesetzgebung und im internationalen Abkommen der 21. UNO-Klimakonferenz verpflichtet. Das UBS Chief Investment Office Wealth Management (UBS CIO WM) hat Daten von Behörden und Verbänden ausgewertet, um den Schweizer Stromerzeugungsmix der Zukunft sowie das Potenzial zur Einsparung von Treibhausgasen bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts im Gesamtenergiemix zu erforschen.

Wasserkraft als Basis, stärkstes Wachstum bei Solarenergie

Bis 2050 werden die Wasserkraft, die neuen erneuerbaren Energien (vor allem die Solarenergie) sowie Gaskraftwerke zu Lasten der Kernenergie insgesamt an Bedeutung gewinnen (s. Grafik). "Im Jahr 2050 dürfte Strom in der Schweiz zu rund 90% aus erneuerbaren Energien erzeugt werden", sagt Carsten Schlufter, Energiespezialist bei UBS CIO WM. Heute liegt ihr Anteil bei knapp 60%, während Kernenergie knapp 40% zum Stromerzeugungsmix beiträgt.

Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Wasserkraft zu, deren Ausbau vor rund 100 Jahren begonnen hat und die heute mehr als die Hälfte der Schweizer Stromproduktion ausmacht. Künftig könnte ihr Anteil auf rund zwei Drittel ansteigen. Allerdings kämpft die heimische Wasserkraft derzeit mit niedrigen Stromerzeugungspreisen und mangelnder Profitabilität, die einen Ausbau erschweren.
Die Solarenergie dürfte in der Schweiz unter allen Energieträgern am stärksten wachsen. Der erwartete weitere Preisverfall bei Solarmodulen macht die Technologie immer wettbewerbsfähiger, sodass sich ihr Anteil von 1,5-2% 2015 auf wohl 16% bis zum Jahr 2050 entwickeln wird. Weitere erneuerbare Energien wie Windkraft, Biomasse und Geothermie können den Stromerzeugungsmix ergänzen und neue Gaskraftwerke zudem die Versorgungssicherheit erhöhen.

Die Schweizer Kernkraftwerke dürften nach Ende ihrer betrieblichen Lebensdauer vom Netz gehen. Neubauten scheinen zum gegenwärtigen Zeitpunkt beim Volk nicht mehrheitsfähig. Zudem wären die Kosten von neuen Kernkraftwerken nicht zuletzt wegen höherer Sicherheitsanforderungen sehr hoch und somit Investitionen derzeit nicht rentabel.

Neue Antriebs-, Bau- und Heiztechniken ermöglichen CO₂-Einsparungen

Der Schweizer Stromerzeugungsmix wird sich in den nächsten Jahrzehnten also bedeutend wandeln. Gleichzeitig bietet er in seiner heutigen Form kaum Einsparpotenzial beim Treibhausgasausstoss.
Potenzial zur Einsparung von Treibhausgasen bietet vor allem ein geringerer Erdölverbrauch im Verkehrs- und Gebäudebereich sowie in der Industrie. Anders als im Stromerzeugungsmix tragen fossile Energieträger, vor allem Erdöl und Erdgas, heute knapp 50% zum Schweizer Gesamtenergiemix bei, global sind es sogar rund 80%."Ende des kommenden Jahrzehnts dürfte ihr Anteil schon deutlich geringer sein", so Carsten Schlufter. Der Rückgang in der Schweiz verliefe demnach, obwohl von einem tieferen Niveau, deutlich schneller als global.

Der Hauptgrund des Wandels ist nach Ansicht des UBS CIO WM in Änderungen bei der Antriebstechnologie (vollelektrisch, Hybride, Plug-in-Hybride, Brennstoffzellen) zu sehen. Die Frage ist demnach nicht ob, sondern wie schnell die Elektrifizierung des Verkehrs stattfindet. Alexander Stiehler, Analyst bei UBS CIO WM, erklärt: "Eine Elektrifizierung des Transportwesens sowie der allmähliche Wegfall von Ölheizungen dürften den Erdölkonsum markant reduzieren und den Gesamtenergiemix verändern". Als Nebeneffekt verringert sich dadurch die Abhängigkeit von Energieimporten.

Je nach der Penetration alternativer Fahrzeugantriebe sowie dem erwarteten Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum wird die Stromnachfrage trotz kontinuierlicher Effizienzsteigerungen moderat zulegen. Dabei dürften die Energie- und Strompreise für Endverbraucher steigen.
"Die mitunter als Konflikte wahrgenommenen Ziele Versorgungssicherheit, bezahlbare Energiepreise sowie Umweltaspekte und Nachhaltigkeit werden in der Schweiz derzeit gut gelöst", sagt UBS Chefökonom Schweiz Daniel Kalt. Dennoch steht die Schweiz vor grossen Umwälzungen in der Energiewirtschaft und es stehen in den kommenden Jahren wichtige strategische Entscheidungen an, die bestimmen, ob die Schweiz energiepolitisch ihre Vorbildfunktion bewahren wird.

Studie "Neue Energie für die Schweiz":
www.ubs.com/energie-schweiz

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